Am Herzen Gottes

Wir erleben eine Woche mit bedeutenden historischen Ereignissen: Am Dienstag wurde Friedrich Merz vom Bundestag zum Bundeskanzler gewählt – auf eine bisher einmalige Art und Weise, nämlich erst im zweiten Wahlgang. Heute haben die katholischen Kardinäle einen neuen Papst gewählt. Und heute vor 80 Jahren war das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa.

Wenn ich mir diese Ereignisse vor Augen führe, dann erfüllen mich zwei unterschiedliche Gefühle: Dankbarkeit und Sorge. Dankbar bin ich, dass wir seit 80 Jahren Frieden in Deutschland haben. Die Älteren unter uns haben noch selbst miterlebt, was für schreckliche und grausame Folgen der Krieg für unser Land und für die Menschen hatte. Viele Menschen wuchsen ohne Vater auf, weil dieser im Krieg gefallen war. Andere hatten traumatisierte Väter, Lehrer und Arbeitskollegen, mit denen das Zusammenleben und Zusammenarbeiten oft sehr schwierig war. Die Städte in Deutschland waren zum großen Teil völlig zerstört und mussten nach und nach wieder aufgebaut werden. Und die Teilung Deutschlands in zwei Staaten war über vierzig Jahre lang eine Folge des Krieges, die uns immer deutlich vor Augen war. Ich bin froh und dankbar, dass von diesen Kriegsfolgen immer weniger seh- und spürbar ist und dass es für uns eine Selbstverständlichkeit ist, dass wir in Deutschland im Frieden leben können.

Auf der anderen Seite ist unsere Zukunft ungewiss: Klimaveränderung, Artensterben, Kriege in vielen Ländern, auch in Europa (Russland – Ukraine) – das sind nur einige von den Dingen, die mir Sorge bereiten. Ich bete dafür, dass unsere neue Bundesregierung hier klug und weise handelt. Ich bete für den neuen Papst, dass er die richtigen Worte und den richtigen Plan für die Katholische Kirche findet.

Der Apostel Paulus legt es uns ans Herz, für diejenigen zu beten, die Macht und etwas zu sagen haben (1. Timotheus 2,1-2). Und gleichzeitig wissen wir, dass Gott über allem wacht, was auf der Welt geschieht (Psalm 33,8-11). Manche Menschen sehen eine gewisse Spannung zwischen diesen beiden Aussagen: Wenn es sowieso Gott ist, der den Lauf der Welt bestimmt, warum dann noch beten? Ich glaube, dass Gott uns an dem, was er tut, beteiligen will – durch unsere Taten und auch durch unsere Gebete. Und gleichzeitig bedeutet Beten immer auch, auf Gott zu hören: Was ist sein Wille? Wie kann ich beten, dass sein Wille geschieht?

In 1. Johannes 5,14 steht: Und wir dürfen zuversichtlich sein, dass er uns erhört, wenn wir ihn um etwas bitten, das seinem Willen entspricht. Deswegen ist es wichtig, dass wir nahe am Herz Gottes bleiben; dass wir die Gemeinschaft und das Gespräch mit ihm suchen; und dass wir aufmerksam darauf sind, wie er uns leiten und gebrauchen will.

Ihr Achim Marshall

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